Moral und Ehrlichkeit

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Werden Bürger offen nach den Werten befragt, die ihnen besonders wichtig sind, so nennen sie spontan Ehrlichkeit am häufigsten (vgl. Yougov, 2013 Wertestudie 2013, S. 5-7).

Einerseits halten sich fast alle Menschen im Selbstbild für größtenteils moralisch integer. Andererseits verhalten sich Menschen dem widersprechend auch immer wieder unehrlich. Der US-Verhaltensökonom Dan Ariely hat zu diesem Zusammenhang die Aussage formuliert, dass wir genau so viel betrügen, wie wir mit unserem Selbstbild als einigermaßen ehrliche Menschen vereinbaren können (vgl. Demling, Spiegel Online 2012).

Dieses Phänomen der Unehrlichkeit kommt auch häufig in der Versicherungsbranche vor. Informationsasymmetrien fördern zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern die Häufigkeit des Eintritts der Fälle von Unehrlichkeit. Außerdem kommt es häufig zu Fällen von Versicherungsbetrug

Das Thema Moral

Moral Hazard bzw. das moralische Risiko beschreibt allgemein das Risiko, dass der Abschluss eines Vertrags das Verhalten einer Partei insofern beeinflusst, dass diese sich risikofreudiger verhält, als dies ohne einen solchen Kontrakt gewesen wäre. Unter dem Begriff des moralischen Risikos kann man verschiedene Themen zusammenfassen, zu denen unter anderem auch das Thema Versicherungsbetrug als Straftat gehört. Das moralische Risiko besteht bei genauerer Betrachtung aus folgenden Komponenten:

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Ausprägungen des Moralischen Risikos

In diesem Zusammenhang wird das legale moralische Risiko und die versicherungsbedingte Verhaltensänderung von Anbietern und Nachfragern auf Reparaturmärkten dargestellt.

Anbieter sind dabei alle Dienstleister, die entstandene Versicherungsschäden beheben (Ärzte, Kfz-Werkstätten, Handwerksbetriebe). Nachfrager sind alle Personen, die bei den Dienstleistern eine Dienstleistung zur Behebung entstandener Schäden in Anspruch nehmen (versicherte oder geschädigte Person).

Das interne moralische Risiko beschreibt das Verhältnis zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer. Das externe moralische Risiko beschreibt Verhaltensweisen von nur mittelbar am Versicherungsfall Beteiligten (z.B. von Ärzten). Es tritt auf, wenn der Versicherer nicht unmittelbar dem Versicherungsnehmer Geld auszahlt, sondern die durch den Versicherungsfall entstandenen Ausgaben deckt (wie z.B. in der privaten Krankenversicherung), und die Entschädigungsleistung einem Dritten auszahlt.

Ex ante bedeutet vor dem Versicherungsfall. Der Versicherungsfall wird wahrscheinlicher bzw. die Schadenhöhe größer. Eine geeignete Gegenmaßnahme stellt die Schadenprävention dar. Ex post bedeutet nach dem Versicherungsfall. Der Versicherungsnehmer entscheidet, ob und in welcher Höhe das Ereignis eintritt. Ein Kranker in der Krankenversicherung entscheidet zum Beispiel vollkommen frei, ob er einen Arzt aufsucht oder nicht (vgl. Nell, 1998, Das moralische Risiko und seine Erscheinungsformen, S. 10 u. S. 23; vgl. Nell, 1993, Versicherungsinduzierte Verhaltensänderungen von Versicherungsnehmern, S. 110).

Das Thema Ehrlichkeit

Die Gründe für Unehrlichkeit sind sehr vielfältig. Im Vordergrund stehen für die meisten Menschen die eigenen Interessen. Treten also Interessenskonflikte auf, so verhalten wir uns gegenüber unseren Mitmenschen häufig unehrlich. Außerdem ist der „einfache Weg“ bzw. die Standardlösung häufig das Resultat einer resignierenden Verhaltensweise am Ende einer langen, sehr ermüdenden Anstrengungsphase (beispielsweise bei Richtern, die über den ganzen Tag verteilt sehr viele Urteile fällen müssen). Häufig vergleichen Menschen sich auch gerne mit anderen und verweisen darauf, dass diese schließlich ebenso handeln würden, um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen.

Dennoch gibt es, auch bei Verkaufsgesprächen in der Versicherungsbranche, Möglichkeiten, Menschen im Rahmen eines Priming zu einem ehrlicheren Handeln zu motivieren. Insbesondere ist es möglich, Menschen ihr unehrliches Handeln zu spiegeln, indem man sie beispielsweise beim Namen nennt und somit indirekt an ihr ehrliches Selbstverständnis appeliert. Andererseits kann auch eine Unterschrift vor dem Abschluss des Vertrags ehrliche Angaben wie zum Beispiel den gefahrenen Kilometerstand des Autos bezwecken (vgl. Ariely, 2012, Die halbe Wahrheit ist die beste Lüge, S. 129 ff.).

In besonderem Maße muss allerdings auch das Ausmaß des Versicherungsbetrugs als spezielle Ausdrucksform der Kundenunehrlichkeit gemindert werden.

Um dies zu erreichen, gilt es:

3 Formen von Versicherungsbetrug

Weiterführende Literatur und Quellen:

Zum Thema Moral

  • Baumann, Marina: Das moralische Risiko in der Invaliditätsversicherung – Erscheinungsformen und Steuerungsmöglichkeiten, Köln: Universität Köln, 2008.
  • Bannier, Christina E.: Vertragstheorie – Eine Einführung mit finanzökonomischen Beispielen und Anwendungen, 1. Auflage, Heidelberg: Physica-Verlag, 2005.
  • Dhaval, Dave; Kaestner, Robert: Health Insurance and ex ante moral hazard – Evidence from medicare, NBER Working Paper No. 12764, Cambridge Massachusetts (USA): National Bureau of Economic Research, 2006.
  • Hintze, Iris: Asymmetrische Informationsverteilung auf dem Versicherungsmarkt, Frankfurt am Main: Johann Wolfgang Goethe-Universität, 2003.
  • Mahler, Jil-Katharina: Moral Hazard in der gesetzlichen Krankenversicherung, 1. Auflage, München: Grin, 2007.
  • Moayedi, Vafa: Moral Hazard in der gesetzlichen Pflegeversicherung nach SGB XI, Köln: Universität Köln, 2008 (zugl. Dissertation Universität Köln, 2008).
  • Nell, Martin: Das moralische Risiko und seine Erscheinungsformen, 1. Auflage, Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft, 1998.
  • Nell, Martin: Versicherungsinduzierte Verhaltensänderungen von Versicherungsnehmern – Eine Analyse der Substitutions-, Moral Hazard- und Markteffekte unter besonderer Berücksichtigung der Krankenversicherung, 1. Auflage, Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft, 1993.
  • Nguyen, Tristan; Lindenmeier, Jörg: Individuelles Gesundheitsverhalten bei Moral Hazard – theoretische Grundlagen und der Einsatz mobiler Endgeräte als Lösungsmöglichkeit, Lahr: AKAD, Wissenschaftliche Hochschule Lahr, 2011.
  • Osmers, Henning; Vauth, Christoph: Empirische Erfahrungen Versichertenverhalten zu steuern, Diskussionspapier Nr. 297, Hannover: Universität Hannover, 2004.
  • Pauly, Mark V.: Overinsurance and Public Provision of Insurance – The Roles of Moral Hazard and Adverse Selection, in: The Quarterly Journal of Economics, Vol. 88, No. 1, Feb., 1974.
  • Schreyögg, Jonas: Demographic development and moral hazard – Health insurance with medical savings accounts, Berlin: Technische Universität Berlin, 2004.
  • http://www.ivbl.uni-hannover.de/fileadmin/versicherung/Jahresberichte/Jahresbericht1996/versicherung.pdf
  • http://www.wiwi.uni-muenster.de/06/toplinks/glossar/glossar.php?begriff=37

Zum Thema Ehrlichkeit

https://www.youtube.com/watch?v=XH70zIJP5cM (Erklärung Begriff an der Flipchart)

https://www.youtube.com/watch?v=HxPfJ0RpVaw (Erklärung Begriff mit gezeichneten kleinen Bildern)

https://www.youtube.com/watch?v=_SdtoKeFTi0 (Erklärung Begriff durch Vortrag mit eingespielten Bildern, Fokus auf Beispiel Finanzkrise)

https://www.youtube.com/watch?v=RgTdjlbPUuQ (Erklärung Begriff durch eingespielten Text und Bilder, die musikalisch hinterlegt sind, sehr übersichtlich mit guten Beispielen)

Vgl. Nell, 1998 Karlsruhe, Das moralische Risiko und seine Erscheinungsformen, S. 10 u. S. 23.

Vgl. Nell, 1993 Karlsruhe, Versicherungsinduzierte Verhaltensänderungen von Versicherungsnehmern, S. 110.

Vgl. Kröger, 2015 Köln, Präsentation: Versicherungsbedingte Verhaltensänderungen von Anbietern und Nachfragern in Reparaturmärkten.

Vgl. Ariely, 2012 Durham North Carolina (USA), Die halbe Wahrheit ist die beste Lüge, S. 129 ff.

Vgl. Müller-Peters, 2015 Köln, Präsentation: Versicherungsbetrug.

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