27. Kölner Versicherungssymposium

Das 27. Kölner Versicherungssymposium stand unter dem Gesamtthema „Neue Arbeitswelt in der Versicherungswirtschaft“. Das ivwKöln-Team Prof. Dr. Christine Arentz, Juliane Ressel und Prof. Dr. Rolf Arnold begrüßten die circa 130 Gäste in der Aula der TH Köln.

In drei Dimensionen wurde das Thema diskutiert: Uwe Schöpe, Personalvorstand der Zurich Deutschland, und Dennis Wrana, Absolvent des ivwKöln und Produktmanager bei Finlex, setzten sich zuerst mit den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt für die Unternehmen auseinander. Begriffe wie Flex Work oder Homeoffice reichen nicht aus, um die Veränderungen zu beschreiben. Für das Arbeitskonzept New Work braucht es vielmehr einen echten Kulturwandel, der von allen im Unternehmen gelebt wird. „Das ist das A und O“, so Schöpe. „Wenn man eine gute Unternehmenskultur hat, dann funktioniert vieles, hat man sie nicht, kann man Konzepte einsetzen, wie man will, es wird nicht funktionieren.“ Die Zurich hat diesen Wandlungsprozess in den vergangenen Jahren selbst erfahren. Von einem ENPS (Employee Net Promoter Score) von minus 62 vor wenigen Jahren hat sich dieser Wert durch die Einführung eines New Work Konzepts, das auch gelebt wird, auf plus 64 geändert. Als Vorbilder für die Mitarbeitenden sind Vorstand und Führungskräfte wesentliche Treiber. Wenn diese Vorbildfunktion jedoch fehlt, dann ändert sich auch nichts. Zu den Kernkompetenzen von Vorständen und Führungskräften gehören daher, dass sie gerne führen wollen und zugleich eine offene Kommunikation pflegen.

Auch Dennis Wrana hob die Bedeutung einer offenen Kommunikation zwischen Management und Mitarbeitenden in der neuen Arbeitswelt hervor, um die Mitarbeitenden bei Veränderungsprozessen mitzunehmen. Zu dieser Offenheit gehört auch die Erklärung der Ziele, die sich das Unternehmen setzt. Zugleich ist das Eingehen auf die Vorstellungen der Mitarbeitenden, insbesondere im Hinblick auf Flexibilität von Arbeitsort und Arbeitszeit, aber auch hinsichtlich ihrer inhaltlichen Interessen wesentlich. Diese flexible Gestaltung der Zusammenarbeit erlebt Wrana bei dem Startup Finlex, das in den vergangenen Jahren auf mittlerweile 120 Mitarbeitende angewachsen ist.

Nach interessanten Diskussionen zu den Herausforderungen für die Unternehmen in der neuen Arbeitswelt, beschäftigten sich die Vizepräsidentin für Lehre der TH Köln Prof. Dr. Sylvia Heuchemer und zwei Hochschullehrende der Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Prof. Dr. Carsten Knaut und Prof. Dr. Jan-Philipp Schmidt, im zweiten Teil des Symposiums mit der Dimension „Herausforderungen für die Hochschule“. Wie sollte moderne Hochschullehre aussehen, um die Studierenden bestmöglich auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten? Prof. Dr. Heuchemer stellte drei Dimensionen akademischer Bildung heraus: Fachwissenschaft, Arbeitsmarktvorbereitung und Persönlichkeitsbildung. Die digitale Transformation durchdringt dabei alle Lebens- und Arbeitsbereiche und eröffnet mit ihren Informations- und Kommunikationstechnologien neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe, des Lernens und des Arbeitens. „Diese digitale Durchdringung wird Hochschulen in Zukunft noch weiter öffnen und die Bildungsprozesse in einem offenen Ökosystem ermöglichen“, so Prof. Dr. Heuchemer. Die veränderten Anforderungen an fachliche und transformative Kompetenzen sowie digitale Schlüsselkompetenzen erfordern neue Lehr- und Lernarrangements, die inklusiv, inter- oder transdisziplinär, projektorientiert oder fallbasiert sind.

Carsten Knaut, Professor für Personalmanagement und Digitalisierung, erläuterte die Begriffe Kompliziertheit und Komplexität als Grundlage seiner Forschung zum Thema Lernen in Netzwerken. „Gerade die Fähigkeit, Komplexität, Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten, das Sowohl-als-auch auszuhalten, wird eine Kernkompetenz in der modernen Arbeitswelt der Zukunft sein“, so lautete sein Ausgangspunkt. Im Rahmen einer empirischen Untersuchung mit Studierenden auf der Basis von Lernstrategien und Prüfungsleistungen konnte er nachweisen, dass Studierende mit Lernnetzwerken und entsprechendem Lernen komplexe Prüfungsaufgaben signifikant besser lösen als Studierende, die alleine ohne Netzwerke lernen.

Jan-Philipp Schmidt, Leiter des Bachelorstudiengangs Risk & Insurance am ivwKöln, erläuterte wesentliche Neuerungen des Studiengangs. Dazu gehört, dass das gesamte Vorlesungsangebot in den ersten drei Semestern alternativ in Präsenz oder als Online-Vorlesungen über Zoom besucht werden kann. Damit ermöglicht das ivwKöln sowohl eine hohe Flexibilität für die Studierenden als auch die Weiterentwicklung der digitalen Lehre. Darüber hinaus werden auf Basis der grundlegenden juristischen, mathematischen und betriebswirtschaftlichen Lehrveranstaltungen im Rahmen von Projektarbeiten zunehmend neue Kompetenzen vermittelt. Ein Beispiel ist das Modul „Produktentwicklung und Tarifierung“ im vierten Semester, in dem Schnittstellenkompetenzen zwischen Datenanalyse, Vertragsgestaltung und Tarifierung vermittelt werden. Prof. Dr. Schmidt erläuterte dies anhand der aktuellen Projektarbeit „Entwicklung einer Flugausfall- und verspätungsversicherung“ auf der Basis von Realdaten des Flughafens New York City.

In der dritten Dimension standen die Erwartungen der jungen Generation an die neue Arbeitswelt im Mittelpunkt. Hierzu stellte Juliane Ressel, Doktorandin am ivwKöln, die aktuelle empirische Untersuchung „Was erwarten die ivwKöln-Studierenden“ vor. Die Ansprüche wurden auf Basis der Studie „Junge Deutsche 2021“ von Jugendforscher Simon Schnetzer und Co-Autor Prof. Dr. Klaus Hurrelmann durch den kombinierten Einsatz von zwei Erhebungsmethoden erfasst. Zunächst wurden sechzehn Interviews basierend auf einer geschichteten Zufallsauswahl geführt. Für den anschließenden Fragebogen wurde eine Vollerhebung angestrebt und fast erreicht.

Ein Einblick in die Ergebnisse zeigt, dass die Kombination aus Geld, Ehrgeiz und Spaß die ivwKöln-Studierenden am stärksten für gute Leistung motiviert. Durch die qualitativen Interviews konnten diese allgemeinen Begriffe in ihrer Bedeutung konkretisiert werden. So entsteht Spaß im Arbeitskontext durch die Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten, einen kollegialen Umgang sowie Freiheitsgrade bei der Aufgabenerledigung. Für die Befragten zählen eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit, eine gute Arbeitsatmosphäre und Aufstiegsmöglichkeiten zu den attraktivsten Arbeitsbedingungen. Im Zweifel kommt es also viel mehr auf Entwicklungsmöglichkeiten an als auf das abstrakte Sinnhaftigkeitsversprechen. Das Streben nach Weiterentwicklung und Karriere ist eng verknüpft mit dem Wunsch nach Vernetzung und Austausch. Dieses Bedürfnis wurde durch die vermehrten Online-Interaktionen in den Hochphasen der Covid-19-Pandemie jedoch kaum erfüllt. Ein Team nur virtuell kennenlernen, sich am notdürftig eingerichteten Arbeits-(Küchen-)Tisch isoliert fühlen – das hatten sich viele zum Berufsstart sicherlich anders vorgestellt. Eine ausgewogene Mischung von Homeoffice und Büro und regelmäßige Interaktion – auch um einfach mal wieder zu plaudern – sind zentrale Anliegen der befragten ivwKöln-Studierenden.

Die vollständigen Studienergebnisse werden in Kürze veröffentlicht.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Christine Arentz und Rolf Arnold, diskutierten die Vortragenden zusammen mit Jan Eric Lindner aus dem dritten Bachelorsemester über Erfahrungen mit der neuen Arbeits- und Hochschulwelt. Dabei wurde deutlich, dass die neu gewonnene Flexibilität von einer guten Kommunikation und Offenheit gegenüber Veränderungen begleitet werden muss, um für alle Seiten gewinnbringend zu bleiben.

Alle Fotos: Gehard Richter

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