{"id":438,"date":"2018-12-14T10:32:33","date_gmt":"2018-12-14T10:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blogversicherungsrecht.web.th-koeln.de\/?p=438"},"modified":"2018-12-14T10:32:33","modified_gmt":"2018-12-14T10:32:33","slug":"vom-winde-verweht-wann-wird-ein-baum-geworfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsrecht\/2018\/12\/14\/vom-winde-verweht-wann-wird-ein-baum-geworfen\/","title":{"rendered":"Vom Winde verweht: Wann wird ein Baum &#8222;geworfen&#8220; ?"},"content":{"rendered":"<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><b>Vom Winde verweht: Bei welchen Sturmsch\u00e4den zahlt die Versicherung?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Sturmtiefs Kyrill, Xaver, Friedrike und Co. \u2013 zur\u00fcck bleiben nach solchen Unwetterereignissen meist umgest\u00fcrzte B\u00e4ume, abgebrochene \u00c4ste auf Stra\u00dfen und Schienen, sowie abgedeckte D\u00e4cher.&nbsp; Wann zahlt die Versicherung bei Sturmsch\u00e4den? Dies ist, wie ein Fall des OLG Hamm zeigt, nicht immer ganz einfach zu beantworten<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Das OLG Hamm behandelt in seiner Entscheidung vom 25.09.2017 (6 U 191\/15) die Frage, ob zwischen dem Sturmereignis an sich und dem Schadeneintritt ein Unmittelbarkeitserfordernis gegeben sein muss, wie es &#8211; als Einschr\u00e4nkung der ad\u00e4quaten Kausalit\u00e4t &#8211; \u00fcblicherweise in den AVB vereinbart ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><strong>1.<\/strong>&nbsp; Dem vom OLG Hamm zu gegenst\u00e4ndlichen Versicherungsvertrag lagen die Musterbedingungen in Form der VGB 88 zu Grunde. \u00a7 8 Nr. VGB 88 regelt:<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span>\u201e<span style=\"font-family: Calibri, serif\">\u00a7 8 Sturm, Hagel<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">1. Sturm ist eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windst\u00e4rke 8.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span>\u2026<\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">2. Versichert sind nur Sch\u00e4den, die entstehen<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">a) durch unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen,<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">b) dadurch, dass der Sturm Geb\u00e4udeteile, B\u00e4ume oder andere Gegenst\u00e4nde auf versicherte Sachen wirft,<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">c) als Folge eines Sturmschadens gem\u00e4\u00df a) oder b) an versicherten Sachen\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><strong>2.<\/strong> Am 28.02.2010 herrschte auf und im Bereich des versicherten Grundst\u00fccks unstreitig Wind mit einer St\u00e4rke von 8 Beauforts. Am 06.03.2010, also <strong>sechs Tage sp\u00e4ter<\/strong>, st\u00fcrzte ein Baum, der auf dem Nachbargrundst\u00fcck stand, auf das versicherte Geb\u00e4ude. Der Kl\u00e4ger begeht von der beklagten Versicherung Leistungen aus <\/span><\/span><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">seiner Geb\u00e4udesturmversicherung in H\u00f6he von 34.818,68 EUR. <\/span><\/span><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Die Beklagte lehnte ihre Eintrittspflicht ab, da die am kl\u00e4gerischen Geb\u00e4ude entstandenen Sch\u00e4den nicht durch eine unmittelbare Einwirkung des Sturms vom 28.02.2010 eingetreten seien. Der Baum sei hier nicht unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Geb\u00e4ude geworfen worden, vielmehr seien zwischen dem Sturm am 28.02.2010 und dem Umfallen des Baumes am 06.03.2010 immerhin sechs Tage vergangen. Es sei daher kein Schaden infolge des Sturmschadens eingetreten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><strong>3.<\/strong> Das OLG Hamm bejaht einen Versicherungsfall nicht nach <strong>\u00a7 8 Nr. 2 a) VGB 88<\/strong>, jedoch <\/span><\/span><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"> nach <strong>\u00a7 8 Nr. 2 b) VGB 88<\/strong>.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Unstreitig habe einige Tage vor dem Schadenereignis am 28.02.2010 ein versicherungsrechtlicher Sturmschaden vorgelegen. Durch Einholung eines schriftlichen Gutachtens sei erstinstanzlich bewiesen worden, dass der Sturm den sp\u00e4ter umgest\u00fcrzten Baum auch entwurzelt habe. Dies habe letztlich dazu gef\u00fchrt, dass der Baum auf das Haus des Kl\u00e4gers fiel. Dass dies nicht zeitlich unmittelbar nach dem Sturm geschah, \u00e4ndere nichts daran, dass der Baum urs\u00e4chlich durch den Sturm auf das Dach des Hauses geworfen worden sei. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Die Bedingungen seien so auszulegen, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei verst\u00e4ndiger W\u00fcrdigung, aufmerksamer Durchsicht und unter Ber\u00fccksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs verstehen muss. Dabei komme es auf die Verst\u00e4ndnism\u00f6glichkeiten eines Versicherungsnehmers ohne versicherungsrechtliche Speziaenntnisse und damit (auch) auf seine Interessen an. Entscheiden ist in erster Linie der Wortlaut der Bedingungen. Es sei davon auszugehen, dass ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer die Regelung in \u00a7 8 Nr. 2 b) VGB 88 dahin verstehe, dass jedenfalls dann, wenn ein Sturm die ma\u00dfgebliche Ursache daf\u00fcr gesetzt hat, dass Geb\u00e4udeteile, B\u00e4ume oder andre Gegenst\u00e4nde auf eine versicherte Sache fallen und einen Schaden verursachen, ein versicherter Sturmschaden vorliegt. Nicht entscheidend ist, ob die Gegenst\u00e4nde zeitlich unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Geb\u00e4ude geworfen werden, wenn wie im vorliegenden Fall zwischen dem Ereignis \u201eSturm\u201c und dem Erfolg \u201eauf das Geb\u00e4ude geworfen werden\u201c keine weitere Ursache tritt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><strong>4.&nbsp;<\/strong> Der Begr\u00fcndung des OLG Hamms ist in einem Punkt&nbsp; <strong>zuzustimmen<\/strong>. <\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Das Wort \u201eunmittelbar\u201c ist in \u00a7 8 Nr. 2 b) VGB gerade <em>nicht<\/em> aufgef\u00fchrt, w\u00e4hrend es in \u00a7 8 Nr. 2 a) VGB 88 explizit erw\u00e4hnt wird. Daraus l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass Nr. 2 b) VGB 88 keine Unmittelbarkeit voraussetzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\"><strong>5.&nbsp;<\/strong>&nbsp; Allerdings befasst sich das OLG lediglich mit der Frage der \u201ezeitlich letzten Ursache\u201c und macht hinsichtlich des Begriffs \u201e<strong>werfen<\/strong>\u201c keine Ausf\u00fchrungen. Evtl. wurde dies von keiner Partei angesprochen und weder im Urteil des LG Dortmund noch in der Entscheidung des OLG Hamm finden&nbsp; sich hierzu Ausf\u00fchrungen, obwohl dies angezeigt war:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span style=\"font-family: Calibri, serif\">Als \u201ewerfen\u201c wird im allgemeinen Sprachgebrauch \u201eetwas durch die Luft fliegen lassen\u201c verstanden. Der Baum wurde hier gerade nicht durch einen Sturm auf das versicherte Geb\u00e4ude &#8222;geworfen&#8220; sondern kippte erst sechs Tage sp\u00e4ter um. Ob ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer unter \u201ewerfen\u201c auch eine gewisse Pl\u00f6tzlichkeit erwarten oder einen zeitlich unverz\u00f6gerten Ablauf verstehen muss, bleibt offen. St\u00fctzt man sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch, setzt ein \u201edurch die Luft fliegen lassen\u201c zumindest indirekt einen unmittelbaren Zusammenhang voraus.<\/span><\/span><\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Winde verweht: Bei welchen Sturmsch\u00e4den zahlt die Versicherung? Sturmtiefs Kyrill, Xaver, Friedrike und Co. \u2013 zur\u00fcck bleiben nach solchen Unwetterereignissen meist umgest\u00fcrzte B\u00e4ume, abgebrochene \u00c4ste auf Stra\u00dfen und Schienen, sowie abgedeckte D\u00e4cher.&nbsp; Wann zahlt die Versicherung bei Sturmsch\u00e4den? 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