{"id":182,"date":"2017-07-10T08:57:31","date_gmt":"2017-07-10T08:57:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blogversicherungsrecht.web.th-koeln.de\/?p=182"},"modified":"2021-07-05T17:29:29","modified_gmt":"2021-07-05T15:29:29","slug":"g20-gipfel-und-versicherungsschutz-der-ausschluss-innere-unruhen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsrecht\/2017\/07\/10\/g20-gipfel-und-versicherungsschutz-der-ausschluss-innere-unruhen\/","title":{"rendered":"G20-Gipfel und Versicherungsschutz &#8211; der Ausschlu\u00df &#8222;innere Unruhen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der Gewaltexzesse schwarz Vermummter Gestalten bleibt man fassungslos zur\u00fcck. Als Jurist geht man sine ire et studio an die Sache heran und stellt sich die Frage, greift der\u00a0Ausschlu\u00df f\u00fcr &#8222;<em>innere Unruhen<\/em>&#8222;, wie er in allen Sachversicherungsvertr\u00e4gen enthalten ist ?\u00a0<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z5TZV0sE2HU&amp;amp;sns=em\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=z5TZV0sE2HU&amp;amp;sns=em<\/a><\/p>\n<p><strong>1.<\/strong> \u00a0\u00a0Der <strong>Sachverhalt<\/strong> d\u00fcrfte bekannt sein, vgl. nur die diversen YouTube-Beitr\u00e4ge von denen der nachfolgende recht anschaulich ist.<\/p>\n<p>Diese Straft\u00e4ter ging zum Teil arbeitsteilig vor, der erst wirft mit einem Plasterstein eine\u00a0Autoscheibe ein, der zweite wirft einen Bengalo rein, der Dritte sch\u00fcttet noch Brandbeschleuniger hinterher.<\/p>\n<p>In den <strong>AKB 2016<\/strong> hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Kein Versicherungsschutz besteht f\u00fcr Sch\u00e4den, die durch Erdbeben, Kriegsereignisse,<strong> innere Unruhen<\/strong> oder Ma\u00dfnahmen der Staatsgewalt unmittelbar oder mittelbar verursacht werden&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die <strong>Geb\u00e4udefeuerversicherung<\/strong>. Bereit die AFB aus dem Jahre 1930 \u00a0enthielten folgenden Ausschlu\u00df (<b>\u00a7 1 Abs. 7 AFB<\/b> , Fassung in der Ver\u00f6ffentlichung des Reichsaufsichtsamts f\u00fcr Privatversicherung von 1930):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Falle von<strong> inneren Unruhen<\/strong> oder Kriegsereignissen jeder Art haftet die Gesellschaft nur, wenn der Versicherungsnehmer nachweist, dass der Schaden mit diesen Ereignissen weder unmittelbar noch mittelbar im Zusammenhang steht.\u201c2<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>2.<\/strong> Ich will keine juristische L\u00f6sung f\u00fcr die aktuellen F\u00e4lle anbieten, jedoch eine <strong>Entscheidung des Reichsgerichtes vom 8. Juni\u00a01923<\/strong>\u00a0(RGZ 108, 188) vorstellen, die im Grundsatz nach wie vor ihre G\u00fcltigkeit haben d\u00fcrfte (zumal &#8211; bislang &#8211; die Rechtsprechung auf deutschen Gebiet sich mit diesem\u00a0Ausschlu\u00df eher selten\u00a0zu befassen hatte).<\/p>\n<p>Der vom RG zu beurteilende Fall spielte nicht in Deutschland, sondern in\u00a0Porto Allegre in Brasilien. Nach der\u00a0Versenkung eines brasilianischen Handelsschiffes am 16.04.1917 (offenbar durch ein deutsches U-Boot)\u00a0 gingen Volksmengen gegen die dort ans\u00e4ssigen Deutschen vor, indem sie deren Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4ude demolierten und brandschatzten.<\/p>\n<p>Das Reichsgericht definiert den Tatbestand der innere Unruhe bzw der &#8222;b\u00fcrgerlichen Unruhe&#8220; wie folg<\/p>\n<blockquote><p>\u201eTeile des Volkes, die nicht als zahlenm\u00e4\u00dfig unerheblich zu gelten haben, in einer die \u00f6ffentliche Ruhe und Ordnung st\u00f6renden Weise in Bewegung geraten und Gewaltt\u00e4tigkeiten, sei es gegen Personen, sei es gegen Sachen ver\u00fcben.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei ist es grunds\u00e4tzlich unerheblich, welchen\u00a0Beweggr\u00fcnde den Gewaltt\u00e4tigkeiten zugrunde lag,\u00a0 ob es sich gegen den Staat richtete oder nur gegen\u00fcber einzelnen B\u00fcrgern. Ebenso ist es unerheblich, ob ein einheitliches oder politisches Motiv der Beteiligten vorlag oder die\u00a0Verwirklichung von Strafrechtstatbest\u00e4nden, wie z.B. Landfriedensbruch, denn so\u00a0RG a.a.O.\u00a0:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Denn in jedem Falle liegt dann die Gefahr nahe, da\u00df durch die einzelne Gewaltt\u00e4tigkeit das Rechtsbewu\u00dftsein der Menschen im ganzen ersch\u00fcttert und getr\u00fcbt, ihre niederen Triebe entfesselt und Gewalttaten aller Art begangen werden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>3.\u00a0<\/strong> Diese Rechtsprechung des RG hat der <strong>BGH<\/strong> fortgesetzt (<a href=\"https:\/\/www.jurion.de\/urteile\/bgh\/1974-11-13\/iv-zr-178_73\/\">VersR 1975, 126<\/a>). In dem vom BGH zu beurteilenden Fall ging\u00a0 es um eine Demonstration in Berlin gegen den Vietnam-Krieg am 09.05.1970. Dort kam es schweren Sch\u00e4den, Schaufensterscheiben wurde eingeschlagen, Barrikaden errichtet usw. Der BGH bejahte den Ausschluss der inneren Unruhen und nahm dabei auf die Rechtsprechung des RG Bezug.<\/p>\n<p><strong>4.<\/strong> Weiterf\u00fchrende <strong>Literatur<\/strong>:<\/p>\n<p>Martin, Sachversicherungsrecht, 3. Aufl., F I 11 f.<\/p>\n<p>Jannott\/Glotzmann, Ersatzleistungen durch Versicherung und Staat f\u00fcr Sch\u00e4den aus politischen Risiken, Festschrift Fritz Haus, 1978, S. 121 ff.<\/p>\n<p>Boyan, Ersatzleistungen nach innerer Unruhe, VersR n1988, 162 ff.<\/p>\n<p>Dimski, Wer haftet f\u00fcr Tumulsch\u00e4den ?, VersR 199, 804 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der Gewaltexzesse schwarz Vermummter Gestalten bleibt man fassungslos zur\u00fcck. 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