{"id":190,"date":"2015-05-13T11:16:36","date_gmt":"2015-05-13T09:16:36","guid":{"rendered":"http:\/\/behavioralinsurance.web.fh-koeln.de\/?page_id=190"},"modified":"2021-03-29T19:04:39","modified_gmt":"2021-03-29T17:04:39","slug":"grundlagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsmarkt\/themenwelt\/grundlagen\/","title":{"rendered":"Grundlagen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"512\" height=\"512\" src=\"https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsmarkt\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2015\/06\/Grundlagen_Orange.png\" alt=\"Grundlagen_Orange\" class=\"wp-image-1035\" srcset=\"https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsmarkt\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/Grundlagen_Orange.png 512w, https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsmarkt\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/Grundlagen_Orange-300x300.png 300w, https:\/\/ivwkoeln.web.th-koeln.de\/versicherungsmarkt\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/Grundlagen_Orange-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br>Die neuere Forschung aus dem Gebiet der <strong>kognitiven Verhaltensforschung<\/strong> und der <strong>Neuropsychologie<\/strong> hat tiefgreifend das allgemeine <strong>Bild<\/strong> <strong>eines rational agierenden Menschens korrigiert<\/strong>. Die <strong>Studienergebnisse von Kahneman und Tversky<\/strong> und vielen anderen Forschern (u.a. Slovic, Thaler, Schwarz, Gigerenzer und Ariely) haben in diesem Kontext ergeben, dass die Wahrnehmung unserer Lebensumst\u00e4nde elementar von der gegebenen Wirklichkeit abweicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist dabei, dass nicht nur Laien derartigen <strong>kognitiven Verzerrungen<\/strong> unterliegen, sondern auch Manager, Juristen, Politiker oder \u00c4rzte. Die Disziplin der \u201e<strong>Behavioral Economics<\/strong>\u201c, aber auch im speziellen Bereich der Versicherungen die Disziplin der \u201e<strong>Behavioral Insurance<\/strong>\u201c, greifen diese Themen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige zentrale Elemente der Forschungsarbeit von Daniel Kahneman aus seinem Buch \u201e<strong>Schnelles Denken, langsames Denken<\/strong>\u201c (M\u00fcnchen 2011) werden im Folgenden dargestellt und erg\u00e4nzend aus der speziellen <strong>Perspektive der \u201eBehavioral Insurance\u201c<\/strong> betrachtet. Dabei liegt der Fokus auf den nachstehenden Themen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/behavioralinsurance.web.fh-koeln.de\/themenwelt\/grundlagen\/#ancor-syteme\">Zwei Systeme des Denkens<\/a><\/li><li style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/behavioralinsurance.web.fh-koeln.de\/themenwelt\/grundlagen\/#ancor-heuristik\">Heuristiken und kognitive Verzerrungen<\/a><\/li><li style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/behavioralinsurance.web.fh-koeln.de\/themenwelt\/grundlagen\/#ancor-selbst\">Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Exkurs: Rekognitionsheuristik: Studie von Gigerenzer und Goltstein (1999) &#8211; Welche Stadt hat mehr Einwohner: San Antonio oder San Diego? Diese Frage haben die Psychologen Gerd Gigerenzer und Daniel G. Goldstein den Teilnehmern ihrer Studie zur Rekognitionsheuristik (1999) gestellt \u2013 und zwar einmal US-Teilnehmern und einmal deutschen Teilnehmern. Eigentlich m\u00fcsste man annehmen, dass die Amerikaner diese Frage besser beantworten konnten als die Deutschen \u2013 so ist vielen Deutschen zwar San Diego ein Begriff, San Antonio hingegen eher weniger. Tats\u00e4chlich war es so, dass die deutschen Teilnehmer zu 100 % die richtige Antwort gaben (damals San Diego) \u2013 die US-Teilnehmer jedoch nur zu 62 %. Woran liegt das? Mit diesem Experiment wollten Gigerenzer und Goltstein zeigen, dass sich bei der Wahl zwischen zwei Objekten (hier: St\u00e4dte), von denen eine bekannt und die andere unbekannt ist, h\u00e4ufiger f\u00fcr das bekannte Objekt entschieden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nichts anderes als eine Heuristik \u2013 also eine vereinfachte Entscheidungsfindung. Die Deutschen haben sich automatisch dieser Rekognitionsheuristik bedient: Anstatt die tats\u00e4chliche Gr\u00f6\u00dfe zu bewerten, wurde der Bekanntheitsgrad als alternatives Bewertungskriterium f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe verwendet. Denn kennt man eine Stadt und die andere nicht, so spricht vieles daf\u00fcr, dass die bekanntere Stadt auch mehr Einwohner haben muss. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span id=\"ancor-syteme\" style=\"color: #ff6600;\">Zwei Systeme des Denkens<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Kahneman differenziert unsere Denkweise in zwei unterschiedlichen Systemen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>System 1<\/strong>&nbsp;bezeichnet das kognitive System des Geistes, welches <strong>automatisch<\/strong> und <strong>unbewusst<\/strong> abl\u00e4uft. Sinneseindr\u00fccke und Gedanken werden zun\u00e4chst von System 1 erfasst und verarbeitet (\u201e<strong>schnelles<\/strong> <strong>Denken<\/strong>\u201c), bevor sie gegebenenfalls durch System 2 kontrolliert oder weiterverarbeitet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>System<\/strong> <strong>2<\/strong>&nbsp;bezeichnet das kognitive System des Geistes, welches <strong>rational<\/strong>, <strong>analytisch<\/strong> und <strong>logisch<\/strong> arbeitet. Es \u00fcberwacht die Aktivit\u00e4ten von System 1 und greift gegebenenfalls korrigierend ein (\u201e<strong>langsames<\/strong> <strong>Denken<\/strong>\u201c).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span id=\"ancor-heuristik\" style=\"color: #ff6600;\">Heuristiken und kognitive Verzerrungen<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Heuristiken<\/strong>&nbsp;sind (einfache) <strong>Faustregeln f\u00fcr die Entscheidungsfindung<\/strong>. Die eigentliche <strong>Zielfrage<\/strong> wird automatisch <strong>durch<\/strong> eine <strong>einfachere Frage<\/strong> (heuristische Frage) <strong>ersetzt<\/strong>, die sich auch nur mit einem geringen Teil verf\u00fcgbarer Informationen beantworten l\u00e4sst, so dass eine kognitive Entlastung herbeigef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span id=\"ancor-selbst\" style=\"color: #ff6600;\">Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Menschen<\/strong> neigen dazu <strong>sich selbst<\/strong> zu <strong>\u00fcbersch\u00e4tzen<\/strong>. Wir \u00fcbersch\u00e4tzen unsere <strong>F\u00e4higkeiten<\/strong>, unsere <strong>Beeinflussung<\/strong> und die <strong>Vernunft unseres Verhaltens<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><span style=\"color: #ff6600;\">Weiterf\u00fchrende Literatur und Quellen<\/span><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>\u2022 Ariely, D.: Predictably Irrational &#8211; The Hidden Forces That Shape Our Decisions, 1. Auflage, New York: HarperCollins, 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Bauer, B.; Kath, H.: Der unvern\u00fcnftige Kunde &#8211; Mit Behavioral Economics irrationale Entscheidungen verstehen und beeinflussen, M\u00fcnchen: Redline Verlag, 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Beck, H.: Behavioral Economics \u2013 Eine Einf\u00fchrung, Berlin: Springer Gabler, 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Daxhammer, R.J.; Facsar, M.: Behavioral Finance \u2013 Verhaltenswissenschaftliche Finanzmarktforschung im Lichte begrenzt rationaler Marktteilnehmer, Konstanz und M\u00fcnchen: UVK Verlagsgesellschaften und UVK\/Lucius, 2012.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Gigerenzer, G.: Bauchentscheidungen \u2013 Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, M\u00fcnchen: Goldmann Verlag, 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Kahneman, D.: Schnelles Denken, langsames Denken, 1. Auflage, M\u00fcnchen: Siedler Verlag, 2012.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Scheier, C.; Held, D.: Wie Werbung wirkt \u2013 Erkenntnisse des Neuromarketing, Freiburg: Haufe-Lexware GmbH &amp; Co. KG, 2008. \u2022 Thaler, Richard H.; Sunstein, Cass R.: Nudge \u2013 wie man kluge Entscheidungen anst\u00f6\u00dft, 4. Auflage, Berlin: Ullstein, 2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neuere Forschung aus dem Gebiet der kognitiven Verhaltensforschung und der Neuropsychologie hat tiefgreifend das allgemeine Bild eines rational agierenden Menschens korrigiert. Die Studienergebnisse von Kahneman und Tversky und vielen anderen Forschern (u.a. 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